Die Balance zwischen Vielbegabung und Hochsensibilität

Die Balance zwischen Vielbegabung und Hochsensibilität

Die Balance zwischen Vielbegabung und Hochsensibilität

Irgendwie ist es manchmal ein richtiger Spagat zwischen meiner Hochsensibilität und meiner Vielbegabung. Es ist, als würden zwei Herzen in meiner Brust schlagen: Der eine Anteil, der es ruhig, achtsam und reizarm mag. Und der andere Anteil, der es abwechslungsreich mag und viel Input und Inspiration braucht und auch viel in die Welt bringen möchte. 

Es ist gar nicht so leicht, mit diesen beiden Anteilen, die Balance zu wahren. Meiner hochsensiblen Seele würde es gut tun, in einer ordentlichen und reizarmen Umgebung zu leben. Gerne in der Natur, schön ruhig und beschaulich. Meine vielbegabte Seite mag die Natur auch, macht aber gerne kreatives Chaos. Hat immer wieder neue Ideen und Projekte. Manche werden angefangen, aber nicht abgeschlossen. Dazu gibt es viele Bücher zu unterschiedlichsten Themen und Material für alle möglichen Leidenschaften und Interessen. 

Für meine hochsensible Seite wäre Ordnung im Kopf und in den Gefühlen wirklich toll. Innerer Frieden und Balance. Damit man mehr bei sich selbst ist, als all die Reize von außen wahrzunehmen. Meine Vielbegabung hat währenddessen Ideen im Überfluss. Braucht immer wieder neue Impulse, auf die sie reagieren kann. Manchmal, in ruhigen HSP-kompatiblen Phasen,  sucht die Vielbegabung regelrecht nach etwas Neuem. Ihr ist langweilig und sie aus diesem Motivationsloch raus. 

Routinen helfen mir mit meiner Hochsensibilität, nicht all zu viele neue Reize aufzusaugen. Einfach weil das Gehirn bei Routine etwas leichter abschalten kann. Das kennt es ja schon... Währenddessen denkt sich der Scanner in mir: "Hilfe! Routine ist tödlich für mich! Her mit der Veränderung! Wo bleibt denn die Abwechslung hier bitte?!" 

Wenn meine Vielbegabung wieder auf der Suche nach etwas Neuem ist und in "reizarmen Phasen" schon nervös mit den Hufen scharrt, braucht meine hochsensible Seite eigentlich nur Ruhe und Stille im Kopf. Denn nur im totalen Rückzug können all die Reize, die der Scanner mit seinen vielen Impulsen und Ideen mitbringt, verarbeitet werden. Ganz zu schweigen von den Reizen, die noch von der Außenwelt auf einen einströmen.

Während es der hochsensiblen Seele gut tun würde, sich nur achtsam auf eine Sache zu konzentrieren, kann die vielbegabte Seite ein richtiges Multitasking-Talent sein... manchmal wird einfach alles gleichzeitig angefangen. Wozu entscheiden?!

Und dann gäbe es bei all dem ja auch noch ein emotionales Thema. Es fällt mir als Vielbegabte schwer, Autoritäten anzuerkennen und mich anzupassen. Gerne würde ich einfach nur mein Ding durchziehen und mich meinen Ideen hingeben. Dagegen möchte meine Hochsensibilität aber, dass alle zufrieden und glücklich sind. Harmonie und Frieden, so weit das Auge reicht. So werden viele Themen komplizierter als sie sein müssten, denn ich achte bei meinen Entscheidungen und meinem Handeln noch stark auf die Bedürfnisse meines gesamten Umfeldes. Gar nicht so einfach. Trotzdem haben die beiden Bereiche etwas ganz Wichtiges gemeinsam: Für sie ist Selbstbestimmung im Leben super wichtig, sowie Zeit und die Freiheit, um den eigenen Bedürfnissen gerecht zu werden. So vielfältig sie auch sein mögen. 

Es gibt also auch Bereiche, wo es sich gar nicht wie ein Spagat anfühlt, vielbegabt und hochsensibel zu sein. Meine Hochsensibilität profitiert von der Energie, die freigesetzt wird, wenn ich in ein neues Thema eintauche. Voller Freude und Euphorie. Positive Gefühle, die mich so überfluten, dass manchmal sogar äußere Reize ausgeblendet werden. Meine Grenze zur Reizüberflutung verschiebt sich dann weiter nach hinten. 

Auch genießen beide Anteile den Flow und die Kreativität während Projekten. Hierfür gibt es nur ein paar kleine Dinge zu beachten: Ich brauche dafür Ruhe und Zeit für mich. Suche mir einen Ort aus, an dem ich mich wohl fühle. Dann tauche ich tief in das neue Thema ein und genieße den Prozess. Zwischendurch gönne ich mir bestenfalls Pausen und versuche auch, all die neuen Informationen zu verarbeiten. Das fällt dem Scanner-Anteil manchmal schwer. Aber so merke ich auch schneller, wenn ich mich verrenne, mir ein Thema nicht gut tut oder losgelassen werden muss. Außerdem kann ich dank den Pausen viel länger am Ball bleiben und werde nicht unerwartet, durch absoluten Overload, für ein paar Tage ausgeknockt. 

So lange die Energie fließt und sich gut anfühlt, sind beide Anteile eins. Dann gibt es keinen Machtkampf. Man kann sich nämlich nur in der eigenen Vorstellung in zwei Anteile aufteilen. In Wirklichkeit ist man EINS. Erst wenn man eine Balance findet und beide Seiten achtet, ist man wirklich erfüllt und fühlt sich "vollständig". 

  • Bist du auch vielbegabt und hochsensibel? 
  • Welche Bedürfnisse haben deine jeweiligen Anteile? 
  • Wie kannst du dazwischen eine Balance finden?