Was ist so schlimm an Routine?

Was ist so schlimm an Routine?

Was ist so schlimm an Routine?

Routine – bei diesem Wort stellen sich mir die Nackenhaare hoch. Ich gehe in Kampfposition und denke: „Nieder mit der Routine.“ Ich werde mir über kurz oder lang sogar ein „ANTI-ROUTINE“-Protestschild basteln.  Um mich selbst daran zu hindern, die Routine bei mir einziehen zu lassen. Sie steht nämlich gerne mit ihren Koffern vor meiner Tür und bittet um Asyl. Aber so geht das einfach nicht.

„Was ist so schlimm an Routine?“, hat mich eine Freundin gefragt. Oh, mir sind direkt unmengen Gründe eingefallen. Routine ist Gewohnheit. Ein Killer von jeglicher Fantatasie, von Freigeist, von Vielbegabung. Vielbegabung und Routine… das passt einfach nicht zusammen. Wir haben bestimmt einige Sachen, die auch wir fest in unseren Alltag integriert haben (Aufstehen – Kaffee trinken) oder (Müde sein – schlafen gehen), aber dazwischen darf es bitte möglichst interessant, spannend und unroutiniert sein. Oder?

Routine führt auch zu Automatismus. Automatismus heißt, Abläufe unbewusst und wie automatisch durchzuführen. Gäääähn! Und es ist definitiv das Gegenteil von Prozessgenuss. Es ist sooooo was von unbewusst, dass wir es nicht einmal bemerken. Also quasi eine Falle für Vielbegabte?! Immer wenn ich in einem Projekt zu routiniert geworden bin, war das ein perfekter Punkt, um auszusteigen…

Routine ist die Abkürzung zu einem Ergebnis (Ziel), deshalb ist Routine bei ungeliebten Aufgaben von Vorteil. Aber weil wir Vielbegabten Routine verabscheuen und sie uns regelrecht quält, beschäftigen wir uns bei Routineaufgaben auch gerne mal zusätzlich mit anderen Dingen. Ein spannendes Hörbuch oder ein Podcast beim Putzen… ein Buch mit neuem Input beim täglichen Bahnfahren, Pinterest (Ideentauchen) während wir irgendwo warten müssen… usw.

Ich hatte mal ein Projekt, was mir unglaublich viel Freude gemacht hat, bis ich Routine entwickelt habe. (Meine Wanderer Collagen) Ich habe Collagen aus Dingen gefertigt, die ich beim Spazieren gehen gefunden habe. Der Ablauf war immer der Selbe:

  • Spazieren und Sachen finden
  • Sachen zu einem Bild anordnen (bis dahin war es noch recht spannend, weil es ja immer andere Sachen waren).
  • Ein Foto von der Collage machen.
  • Am iPad einen Fotohintergrund einarbeiten.
  • Die Collage mit und ohne Hintergrund abspeichern.
  • Logo einfügen.
  • Alle Bestandteile auseinander nehmen und aufschlüsseln (benennen/beschriften).
  • Veröffentlichen. Fertig.

Sagen wir… die Routine, dass das genau so ablaufen muss, hat sich sehr schnell etabliert. So wurde das „beste Ergebnis“ gesichert. Ich wusste was zu tun war. Das Spielerische an diesen Collagen gab es nur noch beim Zusammenstellen der Collagen.

Die selbst entwickelte Routine hat mir den Spaß an den Dingen verdorben. Ich ging nicht mehr voller Experimentierfreude und mit freier kreativer Entfaltung an die Sache heran, sondern mit festen Strukturen und Abläufen. Irgendwann haben mich die Bilder dann gestresst und ich erkannte, dass es Zeit ist, aufzuhören.

  • Wie geht es dir mit Routine?
  • Wie kannst du mehr Abwechslung und spielerische Leichtigkeit in deinen Tag bringen?
  • Welche Routinen würdest du gerne loslassen?
  • Wie könntest du die Dinge, die du tust, anders machen?